Die Therapie des Reizdarmsyndroms hängt in erster Linie vom Subtyp der Erkrankung ab. Die Behandlung ist immer komplex und umfasst unter anderem die Anpassung der Ernährungsgewohnheiten, psychologische Therapie, medikamentöse Behandlung sowie andere Therapieformen. Die Reaktion auf die Behandlung ist sehr individuell und oft unzureichend.
Ernährung
Es ist sinnvoll, die Aufnahme von Ballaststoffen zu erhöhen. Wichtig ist dabei, dass es sich um lösliche Ballaststoffe handelt, die nur minimal fermentieren, wie z. B. Ispaghula oder Psyllium. Dies ist die einzige Form von Ballaststoffen, deren Wirksamkeit bei IBS nachgewiesen ist 1,2. Dagegen sollte man auf unlösliche Ballaststoffe achten, da sie den Zustand bei manchen Patienten verschlechtern können 2.
Die Rolle von Nahrungsmittelallergien wurde bisher nicht bestätigt. Bei einem großen Teil der Patienten lassen sich Nahrungsmittel identifizieren, die ihre Symptome verschlimmern, meist durch Versuch-und-Irrtum, d. h. ein Lebensmittel wird aus der Ernährung gestrichen und später wieder eingeführt. Diese Lebensmittel lassen sich jedoch meistens nicht durch Tests auf Nahrungsmittelallergien bestätigen. Es handelt sich eher um individuelle Unverträglichkeiten.
In den ersten 6 Wochen wird empfohlen, die FODMAP-Diät auszuprobieren. Dabei werden schwer verdauliche, leicht fermentierbare Mono-, Oligo-, Disaccharide und Polyole eingeschränkt. Diese Diät ist sehr restriktiv: Verschiedene Arten von Gemüse und Obst, Getreideprodukte, Milchprodukte, Alkohol, Süßstoffe und Süßigkeiten werden zunächst vermieden. Nach den ersten 3–8 Wochen werden die Lebensmittel schrittweise wieder eingeführt, um zu beobachten, ob sich die Symptome verschlechtern.
Eine glutenfreie Ernährung wird nicht empfohlen, da sie bei Menschen mit IBS keinen nachgewiesenen Effekt auf den Krankheitsverlauf hat 3,4.
Psychologische Therapie und Bewegung
Insbesondere Patienten, die unter Depressionen, Angstzuständen oder anderen begleitenden psychiatrischen Problemen leiden, können von verschiedenen Formen der psychologischen Therapie profitieren. Geeignet sind unter anderem kognitive Verhaltenstherapie, Entspannungstherapien, psychodynamische interpersonelle Therapie und andere Ansätze.
Ausreichende körperliche Bewegung kann ebenfalls zu einer verbesserten Lebensqualität beitragen und die Symptomatik des Reizdarmsyndroms reduzieren 5.
Pharmakologische Therapie
Die Wirksamkeit von Medikamenten in der Behandlung des Reizdarmsyndroms ist deutlich begrenzt und oft unzureichend. Die Beurteilung der Effektivität von Arzneimitteln ist erschwert, da die Placebo-Reaktion bei IBS höher ist als bei den meisten anderen Erkrankungen und bei etwa 40% liegt.
Antidepressiva wirken auf die Darm-Hirn-Achse und helfen vor allem bei begleitenden psychischen Beschwerden wie Angst, Depression, Somatisierung sowie bei der Schmerzbewältigung, insbesondere bei der diarrhöbetonten Form der Erkrankung. Bei diesen Medikamenten treten jedoch auch bei niedrigen Dosierungen häufig unerwünschte Nebenwirkungen auf.
Beim Reizdarmsyndrom haben sich trizyklische Antidepressiva (TCA) im Vergleich zu anderen Klassen von Antidepressiva als wirksamer erwiesen. Antidepressiva können zudem die Darmmotilität beeinflussen:
TCA können Durchfall verbessern, da sie die Darmbewegung verlangsamen, während SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) die Darmpassage beschleunigen und daher eher für die obstipationsdominierte Form geeignet sind 6,7.
Rifaximin ist das einzige Antibiotikum, das zur Therapie von IBS-Formen ohne Obstipation geeignet ist. Es handelt sich um ein Antibiotikum mit minimaler systemischer Resorption, das überwiegend lokal im Darm wirkt und daher nur wenige unerwünschte Nebenwirkungen aufweist. Sein therapeutischer Effekt bei IBS ist jedoch insgesamt eher moderat. Der vermutete Wirkmechanismus bei IBS ist die Veränderung der Darmflora.
Antispasmodika können ebenfalls in der Therapie des IBS eingesetzt werden. Verschiedene Antispasmodika wurden hinsichtlich ihrer Wirksamkeit bei der Behandlung des Reizdarmsyndroms untersucht. Dabei zeigte sich ein mäßiger Effekt, während unerwünschte Wirkungen relativ häufig, jedoch in der Regel nicht schwerwiegend sind (z. B. Mundtrockenheit, Schwindel, verschwommenes Sehen). Je nach Verfügbarkeit können unterschiedliche Wirkstoffe eingesetzt werden, wie z. B. Pinaveriumbromid,
In der Therapie des Reizdarmsyndroms können auch Prosekretorika eingesetzt werden (Linaclotid, Plecanatid, Lubiproston). Dabei handelt es sich um Medikamente, die die Sekretion von Wasser, Bikarbonat und Chlorid im Darm erhöhen. Sie werden vor allem als symptomatische Therapie der Obstipation eingesetzt. Bei obstipationsdominiertem IBS können zudem Laxanzien, wie z. B. Polyethylenglykol-Präparate oder Magnesiumsalze, verwendet werden.
Zur symptomatischen Behandlung der diarrhöbetonten Form des IBS kann Eluxadolin eingesetzt werden. Es handelt sich um einen kombinierten Opioidrezeptor-Agonisten/-Antagonisten, der im Gastrointestinaltrakt wirkt. Eluxadolin lindert Durchfall und scheint auch andere Symptome der Erkrankung zu verbessern. Gelegentlich kann jedoch eine Pankreatitis auftreten, die eine schwerwiegende unerwünschte Wirkung darstellt.
Zur Linderung von Durchfall kann ebenfalls Loperamid verwendet werden, das jedoch relativ häufig Nebenwirkungen aufweist und zahlreiche Kontraindikationen hat.
Nichtmedikamentöse Therapieform
In den letzten Jahren richtet sich die Aufmerksamkeit zunehmend auch auf verschiedene nichtmedikamentöse Therapieformen des Reizdarmsyndroms.
Beim IBS liegt häufig eine intestinale Dysbiose vor, weshalb unterschiedliche Probiotika untersucht wurden. Die Wirksamkeit von Probiotika in der Therapie hängt vom jeweiligen Bakterienstamm ab. Die zu Probiotika durchgeführten Studien sind sehr heterogen, sodass ihre Effektivität schwer zu bewerten ist. Insgesamt scheint es jedoch, dass Probiotika beim Reizdarmsyndrom zur Linderung der Gesamtsymptomatik beitragen können. Die meisten Studien liegen bislang zu den Stämmen Lactobacillus, Bifidobacterium und Saccharomyces boulardii vor.
Von den pflanzlichen Präparaten zeigt insbesondere Pfefferminzöl gute Ergebnisse. Es wirkt relaxierend auf die glatte Muskulatur, moduliert die neuronale Antwort und besitzt entzündungshemmende Eigenschaften. Da es eine Vielzahl von Pfefferminzölpräparaten gibt, wurden in den meisten Studien spezifische Produkte untersucht, vor allem magensaftresistente Kapseln, die sich im Darm freisetzen, mit einer Dosierung von 180–225 mg zwei- bis dreimal täglich 10.
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